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Know-how25.03.2026, Raphael Bartholomä
Kundenspezifisches Laserschweißen: Wie aus einem Standardsystem eine individuelle Lösung entsteht
Fertigungsaufgaben werden immer komplexer und individueller. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Flexibilität, ohne dass Zuverlässigkeit verloren gehen darf. Gerade im Maschinenbau reicht ein Standardsystem deshalb nicht immer aus. Gefragt sind Lösungen, die auf den konkreten Anwendungsfall des Kunden zugeschnitten sind, aber dennoch auf einer technisch soliden und vielfach bewährten Basis aufbauen.
Genau hier setzt der Ansatz von ALPHA LASER an. Anpassungen erfolgen nicht losgelöst von bestehenden Maschinenkonzepten, sondern auf Basis von Standardsystemen, deren Grundfunktionen erhalten bleiben und gezielt erweitert werden können. Dadurch entsteht die nötige Flexibilität, ohne die Stabilität und Zuverlässigkeit eines bewährten Systems aufzugeben. Mechanik, Elektrik, Software und Optik können individuell angepasst werden. Gleichzeitig bietet die ALPHA LASER Systemarchitektur WINLaser 5 als Steuerungs- und Softwareplattform zusätzliche Flexibilität, da kundenseitig weitere I/Os integriert werden können.
Von der Anforderung bis zur Umsetzung
Am Anfang steht immer die genaue Aufnahme der Kundenanforderungen. Dabei geht es nicht nur um die technische Machbarkeit, sondern auch um den zu erwartenden Aufwand. Damit dieser Schritt belastbar erfolgt, müssen Vertrieb und Technik eng zusammenarbeiten. Nur so lässt sich frühzeitig bewerten, welche Anpassungen sinnvoll, realisierbar und wirtschaftlich vertretbar sind.
Im nächsten Schritt werden die notwendigen Änderungen transparent aufgeschlüsselt. Der Kunde erhält einen Überblick darüber, welche Aufwände für die einzelnen Anpassungspakete anfallen und mit welchen theoretischen Kosten zu rechnen ist. Diese Kosten-Nutzen-Betrachtung ist ein zentraler Bestandteil, weil sie eine fundierte Entscheidung über Umfang und Tiefe der Individualisierung ermöglicht.
In vielen Fällen reicht eine rein theoretische Bewertung jedoch nicht aus. Kunden möchten vor einer Bestellung sicherstellen, dass die geplante Herangehensweise in der Praxis auch tatsächlich funktioniert. Dafür kann ein Testaufbau erstellt werden, der die späteren Funktionalitäten der künftigen Maschine möglichst realitätsnah abbildet. So lassen sich neue Funktionen und Konzepte vorab praktisch überprüfen.
Während einer solchen Machbarkeitsstudie zeigen sich häufig weitere Punkte, die optimiert oder ergänzt werden sollten. Auch diese werden erneut hinsichtlich Aufwand, Nutzen und Kosten beurteilt und anschließend gemeinsam mit dem Kunden besprochen. Sobald die finalen Anforderungen festgelegt sind und eine Bestellung erfolgt, beginnt die Umsetzung durch die Entwicklungsingenieure.
Praxisbeispiel: kundenspezifische Erweiterung einer AL-Q
Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist ein Kundenauftrag auf Basis einer AL-Q. Die AL-Q ist als Standardsystem grundsätzlich bereits eine geeignete Maschine für viele Anwendungen: ein Laserprozesskopf in einer geschlossenen Arbeitskammer, als stationäres System mit passender Größe und geeignetem Platzbedarf. Im konkreten Fall fehlten jedoch bestimmte Funktionalitäten, die für die Anwendung des Kunden erforderlich waren.
Die Kundenidee bestand darin, Kehlnähte simultan von zwei Seiten zu schweißen, um dem thermischen Verzug beim Schweißen entgegenzuwirken. Aus dieser Anforderung ergab sich, dass das System um mehrere Komponenten erweitert werden musste. Festgelegt wurden zwei Prozessköpfe, zwei Laserquellen, zwei Kameras und zwei Gasversorgungen. Hinzu kamen die Winkelverstellung der Optiken sowie eine Linearverstellung.
Auf dieser Basis wurde von ALPHA LASER ein Testkonzept erarbeitet und ein entsprechender Testaufbau geplant. In diesem Aufbau wurden die mechanischen und optischen Anpassungen funktional umgesetzt, um die Machbarkeit unter realitätsnahen Bedingungen zu überprüfen. Nach erfolgreicher Machbarkeitsstudie wurde die benötigte Funktionalität der späteren Maschine erneut durchgesprochen und um zusätzliche Aspekte ergänzt.
Gerade dieser Schritt zeigt, wie kundenspezifische Sonderlösungen in der Praxis entstehen: Nicht alle Anforderungen stehen von Anfang an vollständig fest. Manche Wünsche ergeben sich erst bei der Nutzung des Testaufbaus. In diesem Fall kam beispielsweise der Wunsch hinzu, die Winkellage anzeigen und arretieren zu können.
Nachdem die kundenseitigen Anforderungen vollständig geklärt waren, konnte auf Grundlage der Aufwandsabschätzung das finale Anpassungspaket definiert werden. Neben den mechanischen Änderungen und zusätzlichen Optikkomponenten wurden auch softwareseitig weitere Funktionen integriert.
Bewährte Basis, gezielte Individualisierung
Das Beispiel zeigt, dass kundenspezifisches Laserschweißen nicht bei null beginnt. Entscheidend ist vielmehr, eine bewährte Standardplattform so anzupassen, dass sie die spezifischen Anforderungen des Kunden erfüllt. Die Grundfunktionen bleiben erhalten, während gezielte Erweiterungen in Mechanik, Elektrik, Software und Optik die notwendige Individualisierung ermöglichen.
So entsteht eine Sonderlösung auf solider Basis: flexibel in der Auslegung, transparent in der Bewertung und zuverlässig in der Umsetzung.
Raphael Bartholomä
Raphael Bartholomä absolvierte eine Ausbildung zum Mechatroniker bei der BMW AG und erwarb fundierte Kenntnisse in Mechanik, Elektronik und Systemintegration. Anschließend vertiefte er sein Wissen durch ein Bachelor- und Masterstudium im Maschinenbau mit Schwerpunkt Mechatronik an der Hochschule München. Bereits während seines Studiums sammelte er als Werkstudent bei ALPHA LASER praktische Erfahrung und arbeitete an studienbegleitenden Projekten.
Seit 2022 ist er als Entwicklungsingenieur im Bereich Optik bei ALPHA LASER tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf Industrieoptiken, optischen Strahlführungssystemen und der mechatronischen Integration. Mit seiner Kombination aus Praxis und Entwicklungserfahrung trägt er zur Weiterentwicklung präziser und leistungsfähiger Laserschweißlösungen bei.
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